Schall / Lärm / Akustik

Schöne ­Akustikdecken

Akustikdecken sollen Schall reduzieren und gut aussehen. Die Anforderungen an die Oberflächen­beschaffenheit sind vielfältig. Damit sie erfüllt werden, muss bereits die Planung gewisse Faktoren berücksichtigen.

  • Eine grosse Kuppel an der Decke, durch welches Tageslicht scheint. | © Thomas Schmid

    Lichtkuppel: Schon kleinste Unebenheiten einer Oberfläche werden bei entsprechendem Lichteinfall sichtbar.

Factbox

Text und Bilder: Thomas Schmid,

Autor Thomas Schmid ist Stuckateurmeister, Dipl.-Ing. (FH), öffentlich bestellter und vereidigter (ö. b. u. v.) Sach­verständiger im Stuckateurhandwerk und ISK-Mitglied.

Dieser Artikel stammt aus dem Band, der 2024 zur Tagung des Internationalen Sachverständigenkreises Ausbau & Fassade (ISK) herausgegeben worden ist.

Akustikdecken kommen in vielen Raumtypen zum Einsatz, von Schulräumen über Konferenzräume bis zu Grossraumbüros, Gaststätten oder Empfangsbereichen. Sie reduzieren die Nachhallzeit und werten gleichzeitig das Erscheinungsbild der Räume auf.

Arten der Akustikdecken

Welche Arten von fugenlosen Akustikdecken sind üblich? Am häufigsten kommen vier Typen vor:

  • Gipslochplattendecken
  • Akustikbeschichtung auf ­Dämmung
  • Akustikbeschichtung auf Platten
  • Akustikputz auf Rohdecke.

Die Gipslochplattendecken unterscheiden sich in ihren Anforderungen von den anderen drei Typen. Sie werden nach Fertigstellung farblich beschichtet, während die übrigen Arten oberflächenfertig sind.

Gipslochplattendecken

Gipslochplatten sind Gipsplatten mit runden, quadratischen oder geschlitzten Löchern, die in Reihen, Feldern, Mustern oder auch in Streuoptik an­ge­ordnet sind. Sie werden im Trockenbau grossteils als Deckenbekleidung oder als Unterdecke eingesetzt.

Dabei schrauben die Handwerker die Gipslochplatten an Grund- und Tragprofile, die über verschiedene Abhänger mit Dübeln an der Rohdecke montiert sind. Die Längs- und Querkanten der Gipslochplatten werden als Spachtelfuge ausgebildet. Das heisst, die Platten werden mit einem ­kleinen Spalt montiert, der anschliessend mit ­Fugenspachtel verfüllt wird, sodass ein ebener Übergang zur restlichen Gipsloch­plattenober­fläche ­entsteht.

Mittlerweile sind weitere Plattenvarianten im Handel erhältlich, unter anderem solche, die passgenau ohne Verspachtelung montiert oder verlegt ­werden können.

Akustikbeschichtung auf Platten

Eine Akustikbeschichtung lässt sich auf Deckenbekleidungen und Unter­decken aus Platten oder direkt auf der Rohdecke applizieren.

Es gibt auch Gipslochplatten, die mit einem Vlies versehen werden, um die Akustikbeschichtung aufbringen zu können.

Akustikputz auf Rohdecke

Hier wird der Akustikputz direkt auf die vorbereitete Rohdecke auf­gebracht. Dies erfolgt in der Regel mehrlagig, dabei muss unbedingt auf eine durchgängig gegebene Offen­porigkeit geachtet werden, damit der technische Nutzen der Schallabsorption erfüllt wird.

  • Der Innenraum eines Restaurant mit fünf gedeckten Tischen und einer weissen Decke, von welcher Lampen hängen. | © S.A.C. Silent AG

    Eine Decke mit Akustik­beschichtung.

  • Detailaufnahme einer Zimmerdecke mit einer Gipslochplatte. | © Thomas Schmid

    Akustikdecke mit Gipslochplatten.

  • Der Innenraum eines Gasthof mit Kreuzgewölbe. | © Cornelia Sigrist

    Die Kreuzgewölbedecke im Wirtshaus Taube optimiert mit Akustikputz.

    Anforderungen an die Oberfläch von Akustikdecken

    Die Oberflächenbeschaffenheit soll in aller Regel 

    • eben und glatt sein
    • ein gleichmässiges Erscheinungsbild besitzen
    • frei von Wellen, Riefen, Graten oder Erhebungen sein.

    Leider werden diese Anforderungen, die der Auftraggeber und sein Architekt beziehungsweise Bauleiter erwarten, in den wenigsten Fällen auch im ­Auftrag schriftlich definiert.

    Beeinflussende Faktoren

    Ein Faktor, der das Erscheinungsbild von Akustikdecken erheblich beeinflusst, ist seitlich einfallendes Tageslicht. Dazu kommen andere Faktoren wie die Elektro­planung (etwa Position von Lampen), die Sichtplanung (beispielsweise Fenstergrössen und -ausrichtung) oder die allgemeine Flächenplanung (zum Beispiel Lage von Wänden, Vorsprüngen oder Anschlüssen). Sie haben einen erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Fläche.

    Damit eine Oberfläche in der gewünschten Qualität und mit einem ansprechenden Erscheinungsbild hergestellt werden kann, müssen dem Ausführenden die Elektro-, Sicht- oder Flächenplanung bekannt sein. Diese Pläne stehen jedoch für die Ausführung von Trockenbau- und Putzarbeiten normalerweise nicht zur Verfügung. Insofern kommen hier auf den Auftraggeber Aufgaben zu, die bisher unbeachtet blieben.

    Idealerweise vereinbaren die Parteien vor Beginn der Arbeiten, dass eine Musterfläche angelegt wird. An dieser lassen sich die später auszuführenden Deckenflächen zuverlässig beurteilen. Die Musterfläche muss eine ausreichende Grösse besitzen, kleine Handmuster sind ungeeignet. Während der gesamten Bauphase bleibt die Musterfläche bestehen und dient bei der Abnahme als verbindliche Referenzfläche.

    Konflikt­vermeidung­

    Die Anforderungen, wie die Deckenflächen in ihrer Oberflächenbeschaffenheit hergestellt werden, sollten immer individuell vereinbart werden. Ein Rückgriff auf bestehende Regelungen, Normen, Richtlinien oder Merkblätter allein läuft ins Leere.

    Wie beschrieben, stellt das Anlegen von Musterflächen den Königsweg dar, um die gewünschte Qualität festzulegen. Auch wenn diese Muster nicht direkt im Bauobjekt liegen, sollten sie in der Nähe der Baustelle sein, damit die Ausführenden sie jederzeit besichtigen und vergleichen können.

    Auf den Musterflächen lässt sich sowohl die bestmögliche handwerkliche Ausführung testen, als auch beispielsweise die künstliche Beleuchtung realitätsnah im Verhältnis 1:1 simulieren.

    Mit Streiflichtsituationen muss vor der Ausführung, idealerweise sogar vor der Auftragsvergabe, offensiv umgegangen werden. Auftraggeber und Auftragnehmer müssen sich über die baulichen Gegebenheiten, die spätere Nutzung, die Erwartungen des Auftraggebers sowie über die handwerklich machbare Qualität verständigen, um spätere Konflikte zu vermeiden. Dabei tragen Planer/Architekten und Bauleitung eine besondere Verantwortung, denn sie übernehmen eine wichtige Vermittlerrolle im gesamten Bauprozess.

    Wichtig: Übertriebene und in der Praxis nicht erfüllbare Qualitätsansprüche sollten immer auf ihre Relevanz überprüft werden.

     

    Literaturverzeichnis
    Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Berlin (D),
    www.gips.de
    –    Merkblatt Nr. 2: Verspachtelung von Gipsplatten. Oberflächengüten Q1 bis Q4. 
    –    Merkblatt Nr. 3: Putzoberflächen im Innenbereich. Qualitätsstufen für ­abge­zogene, glatte, abgeriebene und gefilzte Putze. 

    Ein Gipserspachtel mit Gips. | © SMGV
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