Holzfassaden langfristig und nachhaltig schützen
Holz gehört wie Putz zu den traditionellen Baumaterialien an Schweizer Fassaden. Am Beispiel der Schlammfarben wird aufgezeigt, wie innovative Tradition zu nachhaltigen Beschichtungslösungen führen kann.
Factbox
Text: Bosshard-Farben AG
Holzfassaden sind voll im Trend. In den letzten zehn Jahren ist ihr Anteil an Gebäuden um über 20 Prozent gestiegen. Moderne Holzfassaden verbinden technische Leistungsfähigkeit, ökologische Vorteile und gestalterische Qualität. Durch Klimanutzen, moderne Entwicklungen, steigende Nachfrage und konsequente Kreislaufwirtschaft zählt Holz zu den zukunftsweisenden Fassadenmaterialien der kommenden Jahrzehnte. Neue nachhaltige Oberflächenbehandlungen mit Beschichtungsstoffen, die Tradition und Innovation verbinden, verlängern die Lebensdauer und reduzieren den Pflegeaufwand.
Uralte Grundprinzipien
Die Grundprinzipien sind seit Jahrhunderten bekannt und bewährt. Die Holzfassade funktioniert, wenn sie konstruktiv geschützt, hinterlüftet, bedarfsgerecht oberflächenbehandelt ist, materialgerecht ausgeführt und regelmässig gewartet wird.
Holz ist ein traditioneller Werkstoff, der nur durch Innovation konkurrenzfähig bleibt. Innovation bedeutet nicht immer «neu erfinden», sondern «klug weiterentwickeln». Holzschutz ist traditionell, weil er auf zeitlosen physikalischen Prinzipien beruht – und zugleich innovativ, weil moderne Anforderungen wie Ökologie, Dauerhaftigkeit, Normen und Gestaltung neue, weiterentwickelte Lösungen notwendig machen. So erreicht eine optimal konstruierte, beschichtete Holzfassade heute:
- 25 bis 30 Jahre Lebensdauer
- Wartungsintervalle von 10 bis 12 Jahren
- geringere Instandhaltungskosten
- bessere CO₂‑Bilanz durch längere Nutzungsdauer
Tradition und Innovation
Ein grosser Teil der traditionellen Beschichtungssysteme für Holz im Aussenbereich ist durch moderne Beschichtungssysteme abgelöst worden. Moderne Lacke bieten Eigenschaften, die traditionelle Systeme nicht erreichen konnten, wie zum Beispiel bessere Witterungsbeständigkeit, Glanzhaltung, grosse Farbtonvielfalt, schnellere Trocknung und Belastbarkeit.
Die Einführung neuer Rohstoffe wie Pigmente und Bindemittel machte die Welt «bunter» und technisch leistungsfähiger. Nicht alle modernen Systeme hielten, was versprochen worden war, und so wandte man sich immer wieder traditionellen Beschichtungen zu. Deren spezifische Materialeigenschaften bieten in bestimmten Situationen Vorteile gegenüber modernen Systemen, zeigen aber auch Schwächen im modernen Fassadenbau. Einige Aspekte dieser traditionellen Technologien wurden konsequent weiterentwickelt und technisch optimiert, um die aktuellen Anforderungen zu erfüllen. Ölfarben können durch spezielle Additive UV-beständiger und damit kreidungsstabiler formuliert werden. Silikatfarben sind heute so formuliert, dass sie auf vielen Untergründen sicher haften.
Die Geschichte
Am Beispiel der Schlamm-, Schweden- oder Roggenmehlfarben soll aufgezeigt werden, wie innovative Tradition zu nachhaltigen Lösungen führen kann und traditionelle Systeme durch Forschung und Entwicklung nicht ersetzt, sondern zeitgemäss optimiert werden. Schweden verbindet man sofort mit den ikonischen roten Holzhäusern. Mit der industriellen Herstellung gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Farbe günstiger und für viele zugänglich. Ihren endgültigen Durchbruch zur Nationalfarbe erlebte sie jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts.
Was in Schweden seit dem 17. Jahrhundert funktioniere, müsse auch bei uns gehen, dachte man. Die Vielzahl an positiven Eigenschaften überzeugte in der Schweiz viele Architekten und Bauherren von der Schwedenfarbe. In der Praxis zeigte sich jedoch bald, dass diese Produkte – insbesondere im Zusammenspiel mit moderner Architektur und zeitgenössischem Holzfassadenbau – gewisse praktische Grenzen aufwiesen.
Praktische Grenzen
Trotz ihrer ökologischen Vorteile und der Diffusionsoffenheit besitzen klassische Schlammfarben praktische Grenzen. Sie eignen sich ausschliesslich für sägeraues Holz und zeigen auf glatten oder bereits mit anderen Stoffen beschichteten Untergründen eine unzureichende Haftung. Die offenporige Oberfläche ist mechanisch wenig belastbar und reagiert empfindlich auf Abrieb, Verschmutzung und starke Bewitterung, insbesondere natürlich an exponierten Süd- und West-Fassaden.
Bei modernen Konstruktionen kommt es zu störenden roten Ablaufspuren oder markanten Farbtonveränderungen. Zudem erfordern Schlammfarben kürzere Pflegeintervalle und sind stark witterungsabhängig in der Verarbeitung. Diese Eigenschaften machen sie zu einer technisch sinnvollen, aber nur in spezifischen architektonischen und konstruktiven Kontexten geeigneten Lösung.
Eine Herausforderung
Nachhaltige Fassadenbeschichtungen sind Systeme, die Holz und andere Materialien langfristig schützen, die Umwelt möglichst wenig belasten und die Lebensdauer der Bauteile deutlich erhöhen. Sie verbinden ökologische Rohstoffe mit hoher Witterungsbeständigkeit und einer überzeugenden Ökobilanz über den Lebenszyklus hinweg. Sie unterstützen zugleich Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, indem sie Ressourcen schonen, Reparaturfähigkeit fördern und Materialkreisläufe möglichst geschlossen halten.
Heute ist Nachhaltigkeit Pflicht. Architekten und Bauherrschaften suchen Alternativen zu Produkten auf Polymerbasis. Die Kreislaufwirtschaft fordert reparierbare statt entsorgungsintensive Materialien und Beschichtungen. Dass innovative Tradition funktioniert, zeigen ölbasierte Systeme, die früher extrem langsam trockneten und schmutzanfällig waren. Heute trocknen sie innert vernünftiger Frist, sind blockfest und wasserabweisend formuliert. Deckfarben, die früher rasch versprödeten, sind heute elastisch, mikroporös und spannungsarm.
Neue nachhaltige Formulierung
«Hightech um jeden Preis» ist nicht immer die richtige Lösung. Nach mehrjähriger Entwicklungs- und Praxiserprobung konnte die innovative Schlammfarbe erfolgreich eingeführt werden. Die neue Formulierung ermöglicht eine deckende Holzschutzfarbe auf Basis von über 90 Prozent mineralischer und nachwachsender Rohstoffe. Sie bietet hochdeckende Farbtöne im Innen- oder Aussenbereich. Die gefürchteten Auswaschungen und Farbtonveränderungen sind Vergangenheit.
Die Formulierung erfüllt hohe ökologische Anforderungen und trägt die Schweizer Umwelt-Etikette Kategorie B. Der Einsatz von mineralischen und nachwachsenden Rohstoffen, ein sehr niedriger VOC-Gehalt sowie die lange Lebensdauer machen das System besonders nachhaltig und ideal für ökologisch orientierte Neubauten und Renovationen, beispielsweise im Umfeld von Minergie-ECO. Die Produkttechnologie konnte sogar für das Q-VSH-Label zertifiziert werden. Dieses Qualitätslabel des Verbands Schweizerischer Hobelwerke kennzeichnet industriell fertig behandelte Fassadenbekleidungen aus Hobelholz, die geprüft und freigegeben sind. Traditionelle Schlammfarben erfüllen aktuell diese Qualitätskriterien nicht.
Innovative Tradition macht Holzfassaden nachhaltig, weil sie das Wissen der Baukultur mit den Möglichkeiten moderner Technik verbindet. Aus bewährten Prinzipien entstehen langlebige, reparierbare und ressourcenschonende Fassaden, die funktional wie ästhetisch überzeugen. So wächst Zukunft nicht aus Zufall, sondern aus Erfahrung, die weiterentwickelt wird.