«Grosse Trends gibt es eigentlich nicht mehr»
Der Verband der Deutschen Tapetenindustrie (VDT) hat ein Dessin aus der Kollektion Eclectic der Marburger Tapetenfabrik zur Tapete des Jahres 2025 gekürt. Wir haben den Designer Felix Diener an der Messe Heimtextil getroffen.
Herr Diener, Sie haben die Tapete des Jahres kreiert. Herzlichen Glückwunsch! Welche Trends sehen Sie derzeit bei Tapeten?
Felix Diener: Grosse, alles beherrschende Trends gibt es eigentlich nicht mehr. Man könnte eher sagen, es gibt verschiedene Strömungen, die parallel laufen. Die Designlandschaft ist vielfältiger und differenzierter geworden.
Welche Strömungen sind das konkret?
Ein grosses Thema ist aktuell Wasser mit Blau- und Petroltönen. Auch Chrom hält wieder Einzug. Gleichzeitig spielt die seit Jahren beobachtbare stilistische Reduktion weiterhin eine Rolle: ruhige Designs in warmen Beige- und Orangetönen, manchmal ergänzt durch dezente Muster in kräftigeren Farben oder durch Akzentwände. Parallel dazu erleben wir eine Rückkehr opulenter Raumgestaltungen. Historische Dekore werden neu interpretiert und modern umgesetzt.
Was verstehen Sie unter stilistischer Reduktion?
Da geht es mehr um Flächen statt Muster. Ein Beispiel sieht man in der Schweiz: Betonbau erlebt eine Renaissance – Stichwort Brutalismus. Sehr sachlich, grosse Fensterflächen, glatte Küchenfronten.
Und was bedeutet es für die Tapete?
Solche Tapeten sind oft ohne Muster und leben von zurückhaltenden Farben. Der nächste Schritt ist dann, dass sich die Reduktion stärker in der Materialität ausdrückt. Da geht es um Haptik, also um Oberflächen, die über ihre Struktur wirken, weniger über Farbe.
Welche weiteren Tendenzen beobachten Sie?
Parallel dazu sind die floralen oder grossformatigen Designs wichtig. Kleine Rapportmuster werden weniger gefragt, stattdessen kommen sogenannte Murals, also grossflächige, raumfüllende Motive.
Was war Ihre Idee hinter der Tapete des Jahres?
Sie gehört zur Kollektion Eclectic. Der Name ist Programm: Eklektisch bedeutet, Vorhandenes neu zusammenzustellen. Ich habe verschiedene Materialien und Techniken kombiniert und in dieser Kollektion zugespitzt.
Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Ich habe mir in unserem Werk angeschaut, was wir besonders gut können, und diese Techniken weiterentwickelt. Daraus ist eine Kollektion entstanden, die sehr unterschiedliche Produkte vereint: wasserbasierte Tapeten, PVC-Varianten, Granulat, Effekte mit Flitter – und alles so gestaltet, dass man Uni-Töne mit allen Mustern frei kombinieren kann. Entscheidend ist der starke Materialkontrast, aber die Designs sind in sich sehr unterschiedlich.
Was macht die Tapete des Jahres so besonders?
Wir haben die Prägetechnik auf ein Maximum getrieben. Hinzu kommt das Moiré-Motiv, das für mich als jemand, der aus der textilen Innendekoration kommt, einen besonderen Reiz hat. Moiré ist ein sehr schöner Stoff mit einem lebendigen, wellenartigen Effekt.