Innenwand
Boden
Mehrfamilienhaus
Wohnung
Sanierung
Bad
Küche
Schlafzimmer
Wohnzimmer

Ein Bauernhaus als Vorbild für Baukultur und Nachhaltigkeit

05.08.2025

Mit Feingefühl, handwerklicher Präzision und gestalterischer Verantwortung zeigt das sanierte Bauernhaus in Seuzach, wie historisch bedeutende Bauten zukunftsfähig gemacht werden können. Ausgezeichnet mit dem Schweizer Preis für Putz und Farbe, steht das Projekt exemplarisch für einen respektvollen, nachhaltigen Architekturansatz.

  • Ein Treppenhaus mit einer Treppe aus Holz. Der Boden ist aus hellem Holz, die Wände in einem hellen Grün. | © Lea Waser

    Wohnraum und Treppe mit Struktur im Putz.

  • Ein schmaler Gang welcher auf der linken Seite in einen offenen Raum führt. | © Lea Waser

    Versottete Riegelwand mit Lehmputz samt Kuhdung

  • Ein modernes Bad in orangen Tönen an der Wand. | © Lea Waser

    Badezimmer mit kräftigem Lehmputz.

  • Ein Wohnzimmer mit Täferung und tiefer Decken und zwei kleinen Fenstern. | © Lea Waser

    Getäferte Stube mit Lehmputz.

  • Ein offener Wohnraum mit einer Küche und einer freistehenden Treppe. | © Lea Waser

    Wohnen im Tenn mit grauem Lehmputz.

  • Eine offene Küche unter der Gallerie. | © Lea Waser

    Nische mit Küche

  • Eine kleine Küche, daneben eine Treppe aus Holz und einer Holztür. Der Boden und die Wände sind aus hellem Kalk. | © Lea Waser
  • Eine kleine Gallerie mit einer kleinen Einbauküche.  | © Lea Waser

    Grosser Wohnraum mit Lehmputz und Holzschalung.

  • Eine grüne Wand mit integrierten Holzbalken. | © Lea Waser

    Fachwerk im Schlafzimmer

    Factbox

    Architektur & Planung: arge lehmbaubüro & chloe architektur

    Farbgestaltung: lehmbaubüro GmbH

    Ausführendes Unternehmen:

    • hibo Holz und Lehmbau (Scheune)
    • arbeitsgemeinschaft hinak (Haus)
    • Lehmputz | Kalkglätte: lehmbaubüro GmbH

    Text: Prof. Johannes Käferstein, Dipl. Architekt ETH BSA SIA und Jurymitglied Schweizer Preis für Putz und Farbe

    Bilder: Lea Waser

    Das Bauernhaus in Seuzach beantwortet mit Feingefühl und hohem Engagement der Handwerkerinnen und Handwerker, Architekturschaffenden und der Bauherrschaft eine der grossen aktuellen Herausforderungen sowohl für Gemeinden wie auch für Fachleute.:

    • Wie sanieren wir bestehende landwirtschaftliche Gebäude in Kernzonen, welche für das Ortsbild identitätsstiftend sind und zum Teil unter Denkmalschutz stehen?
    • Wie können wir ehemalige Bauernhöfe energetisch ertüchtigen und einer reinen Wohnnutzung zuführen, ohne die so wichtigen typologischen Bauteile zu verlieren?

    Für den kommunalen Denkmalschutz spielte hauptsächlich das äussere Erscheinungsbild im alten Dorfkern von Seuzach eine Rolle. Dieses umfasst die Gliederung des in Massivbauweise erstellten Wohnbaus mit dem anschliessenden in Holz eingekleideten Ökonomiebau sowie das sich über alles ausbreitende homogene, mächtige Walmdach. Im Inneren waren die historische Riegelkonstruktion und Binnenstruktur zu erhalten.

    Das Vielzweckbauernhaus umfasste vor dem Umbau zwei Wohnungen, Ställe, Tenn, Werkstatt und Heuboden. Im Zuge der Sanierung wurde das Wohngebäude wieder integral von einer grosszügigen Familienwohnung belegt. Im Ökonomieteil finden innerhalb der geschützten Riegelkonstruktion drei Wohnungen unterschiedlicher Grösse Platz. In den Fassaden spiegelt sich der substanzielle Eingriff zurückhaltend und angemessen. Das typologisch wichtige Walmdach blieb unverändert und prägte somit weiterhin das Ortsbild mit seiner schlichten Präsenz. Dieses heute nicht mehr selbstverständliche Erscheinungsbild findet sich in der Entscheidung der Bauherrschaft, das Dach nicht auszubauen und den bestehenden Estrich zu erhalten.

    Ökologische Materialien

    Nun setzt sich die verantwortungsbewusste Haltung zur Substanz im Inneren mit einem engagiert ökologischen und baubiologischen Ansatz fort. Zur Auskleidung der Räume werden vor allem Lehm, Kalk und Holz verwendet, deren gekonnter Einsatz zu stimmigen, atmosphärisch austarierten Wohnräumen führt. Aufgehellte Lehmputze in grünen, sandigen und erdigen Tönen werden den Bedürfnissen der einzelnen Räume entsprechend angewandt und allenfalls mit leuchtenden oder warmen Lehmpulvern modifiziert. Den sonnengeprägten Lichtstimmungen und Oberflächen werden eine hohe Beachtung geschenkt. Besonders in den Schlafräumen wird ein Einklang mit den Holzoberflächen aus Weisstanne gesucht.

    Lehm ist ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand. Die vor Ort erstellten Eigenmischungen bauen auf Aushublehm auf, der zu Grundputzen abgemagert wurde. Der Lehmgrundputz wurde einem Aushub in der Nähe entnommen, da beim Umbau des Bauernhauses wenig Erdmaterial anfiel. Neben dem Baulehm aus Seuzach, Stadel und Ellikon diente auch Ziegeleilehm aus Berg TG als bewährtes regionales Bindemittel. Auf Basis dieser Rohlehme wurden ebenso Deckputze entwickelt, die den architektonischen Überlegungen entsprachen. Die Deckputze wurden vorrangig mit hellem Kalksand gemischt. Wenn spezifische gestalterische Effekte mit dem erdfeuchten Material nicht möglich schienen, wurde in zweiter Priorität Lehmpulver von ferneren Herstellern beigemischt.

    Preisgekröntes Objekt

    Am Schweizer Preis für Putz und Farbe gewann das Projekt im Jahr 2023 Gold in der Kategorie «Innenraumgestaltung». Die Jury würdigte besonders das grosse handwerkliche und gestalterische Engagement und Verantwortungsbewusstsein aller am Planungsprozess und an der Ausführung Beteiligten. Die Sanierung des Bauernhauses in Seuzach nimmt die lokalen Bautraditionen und Typologien gekonnt auf und zollt ihnen Respekt. Die Arbeiten wurden mit lokalen Materialien und Unternehmungen in höchster Qualität ausgeführt. Das Gebäude strahlt mit innerer Ruhe und Selbstverständlichkeit.

    Für Sie auch relevant

    Ein Gipserspachtel mit Gips. | © SMGV
    Die Kreativen am bau

    Jetzt Unternehmen finden!

    Finden Sie das passende Maler- oder Gipserunternehmen für Ihr nächstes Projekt.