Wände vermitteln Geschichte
Im Historischen Museum Blumenstein wird die Wand selbst zum Erzähler. Farben, Symbole und Strukturen verbinden Vergangenheit und Gegenwart – sie vermitteln die Geschichte des Hauses und schaffen ein sinnliches Erlebnis zwischen Architektur, Ausstellung und Besucherführung.
Factbox
Architektur: Museum Blumenstein,
Handwerk: Pfister Maler & Gipser AG
Unterstützt durch: Sowas AG
Text: Projektbeschreib aus der Eingabe für den Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026
Bilder: Historisches Museum Blumenstein
Das Historische Museum der Stadt Solothurn befindet sich seit 1952 im ehemaligen Landsitz Blumenstein, einem Baudenkmal von nationaler Bedeutung aus den Jahren 1725–1728. Trotz seiner langen Nutzungsgeschichte ist das Haus weitgehend original erhalten und bietet mit seinen authentisch ausgestatteten Period Rooms grosses Potenzial zur Vermittlung der Haus- und Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Zwischen 1997 und 1998 wurde ein Teil der Räume des Museums in einen White Cube umgestaltet, der helle, neutrale Räume schuf, dabei aber viele historische Elemente bewahrte.
Das neu entwickelte Gestaltungskonzept verbindet die historische Bausubstanz mit einer identitätsstiftenden Ausstellungsgestaltung. Durch gezielte Farbgebung, symbolische Wandstrukturen und individuell gefasste Räume entstehen Orientierung, emotionale Wirkung und eine intuitive Besucherführung, welche die Period Rooms, die Dauer- und Wechselausstellungen sowie die Geschichte des Hauses zu einem kohärenten räumlichen Erlebnis verbindet.
Das Gestaltungskonzept – Fokus Wandgestaltung
Das neu entwickelte Gestaltungskonzept für das Museum Blumenstein überführt die zuvor als White Cube gestalteten Räume in eine farblich und symbolisch differenzierte Umgebung, die historische Bezüge sichtbar macht und die Besucherführung unterstützt. Jede Wandfarbe ist spezifisch für einen Raum gewählt. Sie dient zugleich als Orientierungselement und als inhaltliche Referenz auf dessen Funktion oder dessen thematische Ausrichtung.
Ergänzend strukturieren Symbole die Wandflächen. Dabei wird zwischen zwei Symboltypen unterschieden: Familienwappen verweisen auf die Hausgeschichte und kennzeichnen jene Räume, die den früheren Besitzerfamilien des Blumensteins gewidmet sind und gleichzeitig als multifunktionale Ausstellungsräume für Wechselausstellungsprojekte zur Verfügung stehen; thematische Symbole markieren fokussierte Themenräume der Dauerausstellung.
Die kräftigen, aber reversiblen Farben bringen die architektonischen Elemente wieder zur Geltung und verleihen den Räumen eine individuelle Identität. In ihrer Gesamtheit schaffen Farbe und Symbolik ein kohärentes Leitsystem, das historische Zitate mit zeitgemässer Vermittlung verbindet. So werden die Wände zum zentralen Medium, das Architektur, Ausstellung und Besucherführung miteinander verknüpft und das Haus selbst in die narrative Struktur des Museums integriert.
Geschichte in Farbe und Symbol
Die Wandgestaltung der multifunktionalen Wechselausstellungsräume macht die Geschichte des Blumensteins sichtbar. Jeder Raum ist einer früheren Besitzerfamilie gewidmet und trägt deren Familienwappen sowie eine Farbe, die sich an den Haupttönen des Wappens orientiert.
Die Dauerausstellungsräume im Obergeschoss sind kleinräumig gegliedert und teilweise nur über andere Räume zugänglich. Ihre Struktur erschwert zwar eine lineare Besucherführung, eignet sich jedoch ideal für thematisch eigenständige Räume, die im Zusammenspiel vielfältige Bezüge zueinander herstellen.
Farben und Symbole bilden das zentrale Leitsystem dieser Ausstellungsebene. Jede Wandfarbe ist spezifisch auf das jeweilige Thema abgestimmt und wird durch ein Symbol ergänzt, das den inhaltlichen Schwerpunkt des Raums visualisiert. So wird der Themenwechsel beim Durchschreiten der Räume unmittelbar erfahrbar.
Technik und Ausführung der Wandgestaltung
Die bestehenden weissen Tapeten aus den 1990er-Jahren wurden mit kräftigen, matten Farbtönen überstrichen. Die mit glänzendem Lack aufgesprayten Symbole schaffen einen changierenden, seidenartigen Effekt, der den Räumen Bewegung und Tiefe verleiht.
Die Symbole wurden mittels gefräster Schablonen von Hand mit Airbrush aufgetragen. Ihre wabenförmige Anordnung und einheitliche Grösse schaffen trotz unterschiedlichen Farben und Motiven eine gestalterische Einheit. Der handwerkliche Charakter des Verfahrens führt zu subtilen Unregelmässigkeiten, die der Oberfläche Authentizität und Unverwechselbarkeit verleihen.
Eine besondere handwerkliche Ausführung zeigt das Glutz-Ruchti-Zimmer, dessen neu aufgemalte Holzmaserierung in Eiche die historische Materialität des Hauses aufgreift. So verbindet die technische Umsetzung traditioneller Handarbeit mit einer zeitgenössischen Ästhetik, die den barocken Charakter des Gebäudes in eine neue, eigenständige Formensprache überführt.
Bedeutung der Wandgestaltung in der Signaletik
Farbe und Symbol verbinden sich zu einem lebendigen Leitsystem, das die Hausgeschichte und die Themenräume erfahrbar macht und den Besucher schon im Eingangsbereich in die Identität des Blumensteins eintauchen lässt.