Holzfassade für ein Toggenburger Haus
Holz hat Tradition im Toggenburg. Dies beweisen nicht nur die typischen Blockbauten, sondern auch moderne Häuser mit hölzerner Fassade. Eines davon steht in Neu St. Johann. Dank geeigneten Beschichtungen wirken sowohl das Äussere als auch das Innere nach zehn Jahren fast wie neu.
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Architekt: Jeannette Geissmann
Handwerk: Malerbetrieb Grob AG
Text und Bilder: Raphael Briner, Redaktionsleiter Fachmagazin «Applica»
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Das Toggenburger Haus ist ein traditionelles bäuerliches Gebäude der Ostschweiz. Gebaut wurde dieser Block- oder Strickbau genannte Haustyp ab Mitte des 17. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts. Er prägt mit seiner dunklen Rohholzfassade, dem hohen Steildach und den Reihenfenstern bis heute die alpine Landschaft des Toggenburgs im Kanton St. Gallen.
Eine moderne Variante der Holzfassade ist am ehemaligen Viehmarktplatz von Neu St. Johann zu sehen, in der Nachbarschaft zweier Gasthäuser, eines stattlichen Wohnbaus und des Dorfbrunnens. Es handelt sich um zwei aneinandergefügte Baukörper aus Beton und Holz, die ein Einfamilienhaus, eine Einliegerwohnung und ein Yoga-Studio beherbergen.
Die Fassade hat eine Schalung aus roh geschliffenen Fichtenholzbrettern. Diese waren vom Holzbauer im Werk mit einer Vorvergrauungslasur beschichtet worden. Dabei handelt es sich um eine wässrige 1-K-Acrylatbeschichtung in grauolivem Ton, dem eine Silbermineral-Pigmentierung einen leichten Metallisé-Effekt verleiht.
Konstruktion wichtig
Errichtet wurde das Gebäude 2016/17. Für die Beschichtung von Konstruktionshölzern, Leibungen, Untersichten und Anschlüssen mit dem gleichen Produkt war die ortsansässige Malerbetrieb Grob AG zuständig. Ein Augenschein zehn Jahre später zeigt, dass sich die Beschichtung bewährt. Dazu trägt auch die Konstruktionsweise bei. Die Holzelemente haben einen Abstand zu wasserführenden Bauteilen. Wo Schnee oder Wasser liegenbleiben kann, sind sie mit Blechen geschützt und haben ebenfalls genügend Abstand. «Obwohl es kein Vordach als konstruktiver Witterungsschutz hat, ist die Fassade schön und natürlich gealtert und nicht fleckig», stellt Unternehmer Philipp Grob zufrieden fest.
Dies obschon er dem eingesetzten Acrylat-Beschichtungssystem zunächst eher skeptisch gegenüberstand und aus Sicht des langfristigen Unterhalts eine Öllasur bevorzugt hätte. Ölsysteme zeichnen sich durch ihre gute Eindringtiefe ins Holz sowie ihr natürliches Alterungs- und Bewitterungsverhalten aus. Dadurch lassen sich die Oberflächen in der Regel einfacher unterhalten und bei Bedarf gezielt renovieren.
Das gewählte Beschichtungssystem hat sich sehr gut mit dem Untergrund verbunden. Die Fassade präsentiert sich nach rund zehn Jahren in einem formidablen Zustand und weist lediglich natürliche Alterungsspuren auf. An den Jahrringen und Astpartien ist die Beschichtung stärker verwittert, wodurch die metallische Pigmentierung leicht an Wirkung verloren hat. Einzelne Leibungen sind etwas dunkler nachgegraut. Am Sockel sind die Alterungsspuren deutlicher sichtbar. Die lang anhaltende Schneelage während der Wintermonate führt zu einer erhöhten Feuchtebelastung und damit zu einer stärkeren natürlichen Bewitterung der Beschichtung. Auch ist zu sehen, dass die Fassade des vergleichsweise wettergeschützten Innenhofs des Doppelgebäudes einen wärmeren Farbton aufweist als die restliche Gebäudehülle.
Trend zu unbehandeltem Holz
Philipp Grob und seine Leute führen im Toggenburg oft Holzbeschichtungen aus. Gleichzeitig beobachtet der Malermeister einen Trend zu unbehandelten Holzfassaden. Viele Bauherrschaften schätzen die natürliche Alterung des Materials und wünschen eine möglichst ursprüngliche Erscheinung. Entscheidend sei dabei jedoch, dass Konstruktion, Holzart und Exposition aufeinander abgestimmt seien, damit die Fassade langfristig ein harmonisches Alterungsbild entwickle, sagt er.
Wenn allerdings nach ein paar Jahren die Fassaden nicht in der Art abgewittert und vergraut sind, wie es sich die Bauherrschaft vorgestellt hatte, gibt es Arbeit für die Maler. Sie schleifen oder strahlen das Holz im Sinne einer Renovation. Manchmal beschichten sie wettergeschützte Stellen wie Untersichten, die hell geblieben sind, doch noch mit einer Lasur, um sie farblich an den natürlich abgewitterten Rest anzupassen. Etwas anders sieht es bei der Ölfarbe aus, die ebenfalls regelmässig zur Anwendung kommt.
Von der Fassade in den verwinkelten Innenraum. Hier hat das Malergeschäft Grob fugenlose Beläge, Weissputz, Tapezierarbeiten und die Holzbeschichtung ausgeführt. Helle und dunkle Farben sind als gestalterisches Mittel eingesetzt. «Architektin Jeannette Geissmann hat ein gutes Gespür dafür, wie man Architektur mit Farbe unterstützt», sagt Philipp Grob.
UV-Strahlung absorbieren
Die Wände und die Decken sind mit einem Täfer aus hellem, fein geschliffenem Fichtenholz verkleidet. Gerade bei grosszügigen Verglasungen wird die natürliche Farbveränderung des Holzes häufig unterschätzt. Ohne geeignete Schutzsysteme wandelt sich die Oberfläche bereits nach wenigen Jahren sichtbar. Zum Einsatz kam ein wasserbasierendes Acryl-Produkt. Es ist farblos und praktisch tuchmatt und enthält Lichtschutzmittel zur Absorption von UV-Strahlung, womit ein Nachdunkeln möglichst verhindert wird. Um diesen Effekt zu verstärken, mischten Philipp Grobs Mitarbeitende die Lasur mit einem weissen Pigment aus – aber nur ganz leicht.
Grob sieht im Innenbereich bei den Holzlasuren vor allem bei Farbtönen im Weissnuancen-Bereich die Acryl-, PU- oder Silikat- Produkte im Vorteil. Ölfarbe, aber auch Alkydharz, neigten zur Vergilbung, erklärt er. Falls die Kundschaft eine anorganische Beschichtung wünscht, wären auch mineralische Produkte auf Silikatbasis möglich. Bei diesem Produkt könnte die Holzmaserung durch die mineralische Pigmentierung jedoch optisch vermindert werden.
Handwerk voll ausschöpfen
Anders als an der Fassade konnten Grobs Malerinnen und Maler im Innern ihr Handwerk voll ausschöpfen. «Vor allem bei derart verwinkelten Bauweisen ist die korrekte Beschichtung anspruchsvoll», sagt der Chef. Es gilt zu verhindern, dass Ansätze zu sehen sind. Dafür braucht es eine sorgfältige Planung, die Einteilung der Flächen in Felder, die in einem Arbeitsgang beschichtet werden, und das Zusammenspiel im Team. Es sei das Ziel gewesen, das im Innenbereich verbaute Holz langfristig «im frisch geschnittenen Charakter» wiederzugeben, wie Grob sagt. Das ist den Malerinnen und Malern gelungen.