Baustelle als Laden für Taschen
Eine ganz besondere Optik bietet der Freitag Laden in Luzern. Der Umbau zeigt, wie Trockenbau-Konstruktionen zu Taschengestellen werden und dem Laden Baustellencharakter verleihen.
Factbox
Planung: Lukas Meier
Handwerk: Mettler AG Trockenbaumontagen
Text: Raphael Briner, Redaktionsleiter «Applica»
Bilder: Vera Amberg
Er sei nicht begriffsstutzig, sagt Rony Mettler. Doch als ihn Ladendesigner Lukas Meier anrief, «brauchte ich etwa eine Viertelstunde, um zu verstehen, was er will», erzählt der Trockenbau-Unternehmer aus Luzern. Mit diesem Telefonat begann die Umsetzung eines speziellen Projekts, des Pop-up-Stores von «Freitag» im Gebäude des berühmten Bourbaki-Panoramas.
Es handelte sich um den Umbau eines Juweliergeschäfts in einen Laden für die Taschen des Zürcher Unternehmens Freitag, die aus Lastwagen-Blachen gefertigt sind. Meiers Idee stand im Kontrast zum edlen Schick der vorherigen Nutzung. Er wollte dem Pop-up-Store einen Baustellencharakter verleihen. Konkret ging es darum, frei stehende Trockenbau-Konstruktionen als Gestelle für die Präsentation der Taschen zu nutzen. Die Gestelle sind rund 3,5 m lang, 2,5 m hoch, 0,7 m breit und haben unterschiedliche Geometrien.
Alles anders als geplant
Designer Meier hatte einen groben Plan des Ladens und Entwürfe für die Gestelle erstellt. Letztere sollten möglichst nur die Leichtbau-Unterkonstruktion aus U- und C-Profilen zeigen und nur dort mit Gipsplatten verstärkt werden, wo dies unbedingt nötig ist.
Vom ersten Skizzenplan bis zum fertigen Laden war es ein weiter Weg. «Wir führten alles anders aus, als es nach den ersten Ideen vorgesehen war», erzählt Mettler. Wie es so ist, brauchte es die Zusammenarbeit zwischen Planung und Handwerk, um zu einem einwandfrei funktionierenden Ergebnis zu kommen. Lukas Meier legte oft selbst Hand an. Zum Beispiel montierte er die Aufhängungsstangen in die Gestelle. Umgekehrt half Rony Mettler mit, die Pläne an die Gegebenheiten anzupassen.
Einmaliges Einkaufserlebnis
Herausgekommen ist ein vermutlich einmaliger Shop. Die nur rudimentär nach Q2 gespachtelten und unverputzten Gipsplatten tragen neben den grösstenteils unbeplankten Gestellen aus Metallprofilen zur Optik bei, die handwerklichen Charme bietet. Oben an den Wänden wurden beim Rückbau Fetzen der vorherigen Edeltapete belassen und die blauen Rohre für die neuen Elektroleitungen sind sichtbar. Die Kundschaft betritt den Laden durch einen baustellenartigen Eingang mit Gitter. Wenn sie sich ausruhen möchte, kann sie sich auf Metallprofil-Bündel setzen.
Doch ist ein Laden eben doch keine Baustelle, auch wenn er so aussieht. Deshalb brauchte es besondere Massnahmen. Eine sehr wichtige Anforderung war die Gewährleistung der Sicherheit. Neben der Sicherheit war die Sauberkeit ein Thema. Die Handwerker schliffen deshalb die Profile für die Bündel nicht nur, sondern entfetteten und putzten sie auch. Damit ist sichergestellt, dass die Kleider der Kundinnen und Kunden sauber bleiben. Das Resultat zeigt, dass aus anfänglicher Ratlosigkeit mit Kreativität und Zusammenarbeit ein durchdachtes Projekt werden kann, welches das Bourbaki-Panorama um eine Attraktion reicher macht.