Farbige Klarheit: Sanierung Wohnbauten Eibenstrasse
Die Sanierung der drei Wohnbauten aus den 1970er- und 1980er-Jahren in Frauenfeld zeigt, wie Farbe, Materialität und gezielte Eingriffe dem Bestehenden neues Leben verleihen. Das Konzept vereint sinnliche Dichte, Nachhaltigkeit und einen prägnanten Wiedererkennungswert.
Factbox
Architekt: schoch-tavli architekten gmbh
Ausführendes Unternehmen: Wanzenried Fassaden AG
Industrie: KARL BUBENHOFER AG
Text: Projektbeschreib aus der Eingabe für den Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026
Bilder: Michael Schoch
Eingebettet zwischen Zürcher- und Eibenstrasse in Frauenfeld wurden die drei Wohnbauten aus den 1970er und 1980er -Jahren umfassend saniert und neu interpretiert. Die starke Geometrie der Anlage wurde mit einer klaren Fassadengliederung, grobem Putz und einem mutigen Farbkonzept in Rot-, Gelb- und Grüntönen betont, wodurch ein markanter Wiedererkennungswert entstand.
Alternierende subtile Farbakzente in Fensterlaibungen und Loggien sowie die neue Zonierung der Fassaden verleihen den Gebäuden räumliche Tiefe und Lebendigkeit. Innen wurden Treppenhäuser durch helle Materialien und präzise Details zu Begegnungsräumen aufgewertet. Ergänzt durch eine ökologische Neugestaltung der Grünflächen mit heimischer Flora sowie den Ersatz der Ölheizung durch eine Pelletanlage verbindet das Projekt Nachhaltigkeit, Schlichtheit und sinnliche Dichte – ein Beweis, dass einfache Mittel ausreichen, um Bestand neu zum Strahlen zu bringen.
Die drei Gebäude wurden ursprünglich etappenweise erstellt und stammen aus unterschiedlichen Bauzeiten. Während die beiden Gebäude an der Eibenstrasse 25/25a und 29/29a aus den 1970er Jahren (A+B) stammen wurde das Gebäude an der Eibenstrasse 21/21a in den 1980er Jahren (C) erstellt.
Häuser A - C
Die beiden älteren Gebäude, die Häuser A und B, wurden mit einem 18 cm dicken Durisol Einsteinmauerwerk erstellt. Diese Konstruktion wurde mit einer zusätzlichen Dämmstärke von 18 cm mit einer Mineralwolldämmung isoliert und die Fenster wurden erneuert.
Die bestehende Kompaktfassade am Haus C war intakt, erfüllte jedoch nicht mehr die heutigen Energiestandards. Nach fachlicher Analyse konnte sie bestehen bleiben und mit einer zusätzlichen mineralischen Dämmschicht ergänzt werden. Dabei wurde die bestehende 8 cm starke EPS-Aussendämmung belassen und mit einer Dämmstärke von 10 cm mittels einer Mineralwolldämmung ergänzt. Die Fenster wurden ebenfalls erneuert.
Damit wurde nicht nur ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ermöglicht, sondern auch die Grundlage für ein gestalterisch anspruchsvolles Fassadenkonzept geschaffen. Unterschiedliche Körnungen, Putzstrukturen und präzise eingesetzte Farbigkeit transformieren die Bestandsfassade zu einer lebendigen architektonischen Oberfläche.
Identität durch Farbe
Die Entwurfsidee verfolgt das Ziel, den nüchternen Rationalismus der 1970er-Jahre nicht zu negieren, sondern durch eine neue, sinnliche Ebene zu ergänzen. Die drei nahezu identischen Baukörper A, B und C erhielten dabei eine klare Identität: jeweils ein rotes, ein gelbes und ein grünes Haus, die sich über die Stirnseiten zur Strasse hin markant manifestieren.
Diese Setzung stärkt die Präsenz der Anlage, erleichtert die Orientierung und verleiht dem Ensemble eine zeitgemässe Lesbarkeit. Karminrote vergrösserte Balkonschichten gliedern die Gebäude vertikal und schaffen eine neue Massstäblichkeit, während farbige Fensterlaibungen subtil Tiefe und Lebendigkeit hinzufügen.
Starke Partnerschaft
Für die Umsetzung holten sich die Architekten gezielt Partner ins Boot. Die Karl Bubenhofer AG lieferte die komplette Systemlösung für die verputzte Aussenwärmedämmung und begleitete den Prozess mit fachlicher Expertise – von Brandschutzfragen bis hin zur TSR-Messung für dunkle Farbtöne. Die enge Zusammenarbeit ermöglichte es, das komplexe Farb- und Strukturkonzept mit unterschiedlichen Materialstärken und Arbeitstechniken in hoher Qualität umzusetzen.
Auch im Inneren setzen sich die Farbkonzepte fort: Die Treppenhäuser wurden zu hellen, atmosphärischen Begegnungsräumen umgestaltet und stärken die räumliche Kontinuität zwischen Aussen und Innen. Gleichzeitig wurde die Umgebungsgestaltung unter den Fokus Biodiversität gestellt und in Einbindung der Bewohner erneuert.
Das Ergebnis ist ein Sanierungsprojekt, das weit über eine rein energetische Erneuerung hinausgeht. Mit einer Reduktion des Energieverbrauchs von ca. 74 kWh/m² auf rund 27 kWh/m² erfüllt es höchste Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig zeigt es, wie Farbe, Materialität und durchdachte Planung aus einem nüchternen Bestand ein lebendiges, sinnliches Ensemble schaffen können – perfekt eingebettet in die Umgebung und geprägt von einer konsequenten, interdisziplinären Zusammenarbeit.