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Vom Heustall zum Palazzo: Umbau der Chasa Suzöl in Lavin

10.03.2026

Der Umbau der Chasa Suzöl in Lavin verwandelt einen historischen Heustall in zeitgemässen Wohnraum. Traditionelle Materialien, experimentelle Bauweisen und enge Teamarbeit prägen das preisgekrönte Projekt.

  • Ein Eingang mit einer grossen Holztür.

    Eingang EG

  • Eine Küche mit einer kleinen Sitzgelegenheit.

    Gartenwohnung EG

  • Der Treppenaufgang ins Obergeschoss.

    Eingang OG

  • Ein offener Raum mit freistehenden Holzbalken.

    Wohnatelier OG

    Factbox

    Architekt: Raumpla.net GmbH

    Ausführendes Unternehmen: Raumpla.net GmbH, Murturi GmbH

    Industrie: HAGA AG Naturbaustoffe

    Text: Projektbeschrieb aus dem Jurybericht des Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026

    Bilder: zVg

    Das Unterengadiner Dorf Lavin wurde nach dem Dorfbrand 1869 durch grosse, steinerne Volumen wieder aufgebaut. Der damalige Verbund Engadiner Tradition mit italienischer Baukunst innerhalb eines geometrisch strengen Dorfplans verleiht dem Dorf seine «Italianità» – darauf beruht der Entwurf der Chasa Suzöl: Das massive Mauerwerk im Bestand und die innenliegende, hölzerne Tragstruktur bleiben bestehen, während die grossen Fenster dem ehemaligen Heustall einen palazzoähnlichen Ausdruck verleihen.

    Das Objekt wurde 1870 als Heustall gebaut und danach temporär als Schul- und Lagerhaus genutzt. Heute dient er als dauerhafter Wohnraum. Das Erdgeschoss weitet sich über grosse Öffnungen zu Garten und Strasse und offeriert einen vielzonierten Familienraum. Im Ober- und im Dachgeschoss bietet ein 2-geschossiger Raum mit unterschiedlichen Sichtbezügen Raum für eine Wohn- und Ateliernutzung. Die Erschliessung mit den beiden Schaltzimmern im OG ermöglicht verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für sich verändernde Wohnraumansprüche: vom Zweiparteienhaus über die Gross-WG zum Generationenhaus.

    Stimmungsvolle Materialien und Farben

    Der Umbau ist ein Versuchsbaulabor mit Experimentierfreude an Innovation mit dem Ziel, altbekannte und zeitgemässe Baukultur umweltgerecht und bezahlbar zu vereinen. Beton und Stahl ertüchtigen das Haus wo technisch zwingend, traditionelle Materialien (Kalk, Holz, Hanf) verleihen dem Raum hingegen Stimmung. Der dünnschichtige Sumpfkalkputz (ohne Grundputz) unterstützt die ausgezeichnete Atmungsaktivität des Hanfs und lässt die Steinstruktur durchschimmern. Die Konstruktion bleibt lesbar. 

    Im EG referenziert der 3 cm starke und eigenhändisch eingebrachte Stampfkalkboden auf den traditionellen Engadinerboden (Sumpfkalk-Zement mit Marmorkorn und lokalem Sand). Die torseitigen, roten Rondelle aus Sumpfkalk-Ziegel erinnern an den Einfluss der italienischen Handwerkskunst.

    Das Dünnschichtverfahren ergibt leicht bewegte Oberflächen und lässt Licht-Schatten-Spiele zu – je nach Tageszeit und Lichteinstrahlung. Die Farben sind durch die lokalen Materialien gegeben. Einzig der abgesenkte Kalkboden im Erdgeschoss erfährt durch die schwarze Ölung einen starken Erdbezug in Kombination mit den Einbauten in Schwarzstahl. Der Bau wirkt ortsgebunden stimmig und selbstverständlich.

    Ausgezeichnete Teamarbeit

    Die Putz- und Malerarbeiten verliefen in intensivem Austausch zwischen Handwerker, Produktehersteller und Planer. Die zahlreichen Bemusterungen und die abschliessende Ausführung erfolgte durch den Planer.

    Die enge Zusammenarbeit zwischen Handwerkern, Produktherstellern und Planenden ist im Ergebnis deutlich spürbar. Die Bemusterungen und die eigenhändige Ausführung der Putz- und Malerarbeiten durch den Architekten verleihen dem Projekt eine bemerkenswerte Kohärenz. Für dieses Endresultat wurde das Projekt mit dem zweiten Platz am Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026 in der Kategorie «Innenraumgestaltung» ausgezeichnet.

    Der komplette Jurybericht zu allen Projekten des Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026 kann im Fachverlag des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbandes SMGV bestellt werden.

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