Bauernhaus Zahn: Zeitgemäss nachhaltig erneuert
Aus einem fast 100-jährigen Bauernhaus entstand in Basadingen ein hochmodernes Zweifamilienhaus nach Minergie-P ECO Standard. Die Sanierung verbindet traditionelle Bauweise mit ökologischen Baustoffen, natürlichen Oberflächen und einer zeitlosen Fassadengestaltung. Entstanden ist ein wohngesundes Zuhause, das gleichzeitig neue Massstäbe in Energieeffizienz, Wohnqualität und regionaler Baukultur setzt.
Factbox
Architekt: Sandri Architekten GmbH
Ausführendes Unternehmen: Walter Bucher AG
Industrie: HAGA AG Naturbaustoffe
Text: Projektbeschreib aus der Eingabe für den Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026
Bilder: zVg.
Das Wohnhaus Unterdorf 10 in Basadingen wurde im Rahmen einer umfassenden Minergie-P ECO Sanierung von einem fast 100-jährigen Bauernhaus aus 1929 in ein hochmodernes, energieeffizientes Zweifamilienhaus transformiert.
Der ursprüngliche Energieverbrauch von 45‘000 kWh/Jahr konnte durch die Komplettsanierung auf 9‘000 kWh/Jahr reduziert werden. Das entspricht einer Energieeinsparung von über 80%. Dies trotz einer Vergrösserung der Energiebezugsfläche um 25 m² und der Schaffung zweier vollwertiger Wohnungen.
Fassadenlösung und Fassadengestaltung
Das bestehende 35 cm dicke Zweischalenmauerwerk mit seiner wertvollen Speichermasse blieb erhalten und wurde durch eine 16 cm starke ökologische Korkaussenwärmedämmung (HAGA Biokorit H420) ergänzt. Als Abschluss dient ein 2 cm dicker, diffusionsoffener Kalkaussenputz, der für ein gesundes Raumklima und langlebigen Witterungsschutz sorgt. Der Anbau erhielt eine nachhaltige Holzfaserdämmung mit einer rohen Lärchenschalung, die unbehandelt natürlich vergraut und sich harmonisch in die Dorfstruktur einfügt.
Das Farbkonzept der sanierten Aussenfassade greift sowohl die historische Bauweise des Bauernhauses als auch zeitgemässe, natürliche Materialien und Farben auf. Es verbindet Tradition mit einer modernen, nachhaltigen Ausdrucksweise.
Kalk-Waschputz mit Glimmer
Die Fassade erhielt einen hochwertigen mineralischen Aussenputz als feinen Kalk-Waschputz. Die Oberfläche wurde mit Glimmerpartikeln und grober Gesteinskörnung bis 5 mm versehen. Dadurch ist ein diffus atmungsfähiger, klimaregulierender Fassadenschutz entstanden, der je nach Lichtsituation ein lebendiges, changierendes Farbspiel zeigt. Der Grundton ist Perlweiss warm, sanft und elegant. Die Glimmeranteile verleihen dem Putz einen subtilen Schimmer, der das Sonnenlicht reflektiert und die Materialität sichtbar macht.
Lärchenschiebeläden mit Anthrazitrahmen:
Die Fensterläden bestehen aus massivem, naturbelassenem Lärchenholz. Die warme, goldene Holzfarbe harmoniert mit dem Weiss der Fassade und unterstreicht den regionalen Bezug. Die Läden sind in schlichten Rahmen eingefasst (Farbton Anthrazit), die einen wertigen, ruhigen Kontrast setzen und die Schattenfugen elegant betonen.
Fenster & Leibungen
Die Fenster selbst sowie ihre Leibungen sind bewusst ebenfalls anthrazitfarben ausgebildet.
Das gibt den Öffnungen mehr Tiefe, wirkt modern und sorgt für Kontinuität mit den Läden. Der glatte Rahmen hebt die Fenster zurückhaltend vom Putz ab, betont aber die Gesamtästhetik der Fassade.
Lärchenschalung beim Anbau
Die Anbauteile und Neubauerweiterungen treten zurückhaltend auf. Sie sind mit einer vertikalen Lärchenschalung versehen, in einer massiver, leimfreier Ausführung bis 50 x 30 mm. Die Schalung bleibt unbehandelt, damit die Holzoberfläche natürlich in Würde altern kann und sich mit silbrig-grauer Patina in die Gesamtwirkung einfügt. Zwischen den Lärchenlatten wird eine 2 cm Luftfuge belassen: Das schafft Spannung in der Oberfläche, unterstreicht die handwerkliche Verarbeitung und sorgt für eine exzellente Hinterlüftung.
Materialhaptik und Nachhaltigkeit
Das gesamte Farb- und Materialkonzept ist auf Langlebigkeit, regionale Wertschöpfung und subtile Eleganz ausgelegt. Die warmen Farbtöne der natürlichen Baustoffe werden durch punktuelle dunkle Akzente strukturiert und erhalten so ihren individuellen Ausdruck im Ensemble.
Farbkonzept
Die Fassadengestaltung erfolgte in zurückhaltenden, natürlichen Farbtönen, die sich harmonisch in die ländliche Dorfkernzone einfügen. Der helle Kalkputz am Hauptgebäude kontrastiert bewusst mit der naturbelassenen, unbehandelten Lärchenfassade am Anbau und schafft so einen Dialog zwischen Alt und Neu und zwischen Tradition und Moderne.
Die Innenraumgestaltung
Die Innenraumgestaltung des sanierten Bauernhauses in Basadingen setzt konsequent auf natürliche, atmungsaktive Materialien. Im Mittelpunkt steht ein durchdachtes Putzkonzept mit mineralischen und lehmbasierten Oberflächen, das für ein aussergewöhnlich behagliches und gesundes Raumklima sorgt.
Nach dem Motto «weniger ist mehr» wurde der verfügbare Grundriss suffizient optimiert. Entstanden sind zwei hochwertige Wohnungen: eine 4½-Zimmer-Wohnung (95 m²) mit innovativer Klappbadewanne und eine 3½-Zimmer-Wohnung (85 m²) mit zusätzlichem Büro. Die Räume sind deutlich heller und grosszügiger als zuvor, Niveauunterschiede wurden eliminiert.
Die Wandoberflächen wurden mit einem mehrschichtigen Putzsystem gestaltet, das die positiven Eigenschaften von Kalk und Lehm vereint. Diese Kombination reguliert auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit, speichert Wärme und schafft eine wohngesunde Atmosphäre ohne Schadstoffe.
Farb- und Materialkonzept
Innen überzeugt das Bauernhaus Zahn mit natürlichen, atmungsaktiven Oberflächen und warmen Farbakzenten: Die Wände sind mit feinem Sumpfkalk in Naturweiss ausgeführt, ergänzt durch anthrazitfarbenen, glimmernden Lehm-Waschputz als Akzentfläche. Auch die Küche mit ihrem graugrünen Farbton passt sehr gut in das Farbkonzept.
Die Möbelfronten sind in eleganter Weisstanne gehalten. Die Türzargen und Fensterzargen bestehen ebenfalls aus massiver, heimischer Weisstanne. Der eingefärbte Anhydrit (2 % Schwarz, geschliffen) sorgt für robusten, edlen Charakter. Die Raumdecken sind in Tanne leicht weiss lasiert und strahlen so Helligkeit und Ruhe aus.
Im Gäste-WC wurden alte Schulwandtafeln an den Holzständerwänden befestigt – eine kreative Wiederverwendungslösung, die beschreibbare Flächen für spontane Notizen und künstlerische Entfaltung bietet. Für eine exklusive Oberfläche sorgt die grünblau eingefärbte Kalkspachtelungen (Stucco) im Bad, die mit Bienenwachs behandelt wurde und dadurch wasserabweisend und dennoch diffusionsoffen bleibt. In der Dusche bildet eine hinterlüftete Massivholzplatte aus Tanne die wasserführende Wandverkleidung. Eine unkonventionelle Lösung, die ein aussergewöhnliches Duscherlebnis mit natürlichem Holzaroma schafft.
Schichtaufbau & Verarbeitung
Für die Raumaufteilung und neuen Innenwände wurde eine Holzständerkonstruktion gewählt, die mit Lehmbauplatten beplankt und mit dem Lehmeinbetmörtel überzogen wurden. Die Aussenwände wurden von innen mit einem Lehmgrundputz 30-60mm überzogen um eine ebene Fläche zu bekommen. Der Deckputz ist wahlweise ein Sumpfkalk Naturweiss, Lehmputz Anthrazit/Glimmer oder im Bad ein Stucco grünblau mit Bienenwachs.
Das Raumklima bleibt durchgehend angenehm. Die Charakteristik der Materialien schafft eine hochwertige, gesunde und zeitlose Atmosphäre. Das gesamte Farb- und Materialkonzept ist auf Langlebigkeit, regionale Wertschöpfung und subtile Eleganz ausgelegt. Die warmen Farbtöne der natürlichen Baustoffe werden durch punktuelle dunkle Akzente strukturiert und erhalten so ihren individuellen Ausdruck im Ensemble.