Apartmenthaus Mona: Alpine Bautradition neu interpretiert
Das Haus Mona setzt sich mit der Bautradition des Alpenraums auseinander und entwickelt diese weiter. Architektur, Material und Konstruktion reagieren differenziert auf Ort, Klima und Nutzung. So entsteht ein zeitgenössischer Bau, der im Kontext verankert ist.
Factbox
Architekt: Baumberger Stegmeier Architektur AG
Ausführendes Unternehmen: Halter & Colledani AG
Unterstützt durch: Archifides
Text: Projektbeschrieb aus dem Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026
Bilder: Jürg Zimmermann
Das Bauen im Alpenraum hat eine lange Tradition. Mit der Erschliessung der Alpenpässe und Bahnlinien wurden nach 1900 viele Bauten erstellt, die im Rahmen des verstärkt aufkommenden Tourismus eine ortsspezifische Ausstrahlung erhielten. Sie schliessen in ihrem Wesen an die Bautradition in den Schweizer Bergen an und bringen die klimatischen und witterungstechnischen Gegebenheiten zum Ausdruck. Das Haus Mona nimmt auf diese Themen Bezug und entwickelt sie weiter. Es fügt sich als traditionelles Gassenhaus in seine Umgebung ein und macht sich nicht nur den langen Lebenszyklus der verwendeten Materialien zunutze, sondern pflegt auch das über Generationen aufgebaute Wissen regionaler Handwerker/innen.
Die Volumetrie besitzt je nach Ausrichtung unterschiedliche Ausprägungen und weist zur Gasse hin die breiteste Ausdehnung auf. Den Abschluss bildet ein sternförmiges Giebeldach mit schräg verlaufender Dachuntersicht. Es erstreckt sich über zwei Geschosse und schützt die Fassade vor Witterungseinflüssen. Die Fassade zur Gasse ist an zwei Stellen leicht geknickt, was in der Dachuntersicht ablesbar ist. Der Knick unterspielt leicht die Gebäudegrösse und unterstreicht zugleich die Erinnerung an das handwerklichere Bauen in den Bergen. Der Erker und die Giebelfassade gestehen der Furkagasse als Hauptgasse weitere Bedeutung zu. Zwei untergeordnete Fassaden zu den benachbarten Häusern hin haben entsprechend keine Giebel und bilden Traufseiten aus. Die Nischentiefe beim Wohnungseingang erinnert an eine historisch vertraute Wandstärke und bietet Wetterschutz. Die holzverkleideten unbeheizten Jahreszeitenzimmer in den Ecken können je nach Wetter und Jahreszeit entweder dem Innen- oder Aussenraum zugeschlagen werden können.
Die polygonale Grundrissform umfasst einen Dreispänner, bei dem die Erker im Zusammenspiel mit den raumgliedernden Cheminées den Mittelpunkt der Wohnungen darstellen. Über die Eingangstüren zur Hauptgasse im Erdgeschoss werden die Wohnungen wie auch die Gewerbenutzung erschlossen. Das Treppenhaus reicht bis zum 4. Obergeschoss, wo sich zwei Maisonetten befinden, welche sich bis unter das Dach erstrecken.
Fassade mit Bockshornmuster
Die Gestaltung der Putzfassade bezieht sich einerseits auf informelle Bauten, die zum Teil über Jahrhunderte hinweg an die Bedürfnisse ihrer Bewohner/innen angepasst wurden, andererseits auf repräsentative Bauten wie z. B. das Rathaus Ursern in Andermatt. Hier wurde eine dicke Schicht Kalkzementputz mit der Kelle aufgetragen, um das Haus vor Witterungseinflüssen zu schützen.
Das gewählte Bockshornmuster für das Haus Mona ist nicht als Textur über die ganze Fassade gezogen, sondern es reagiert subtil auf die architektonischen Gliederungselemente. So wird das Muster zum Beispiel an der Ecke des Hauses gespiegelt, sodass aus Fussgängerperspektive über die Ecke hinweg ein Gesamtbild entsteht. An Stellen mit grösseren Fassadenflächen zwischen den Fenstern werden die Musterfiguren grösser und erzeugen Akzente. Bereiche wie die Fensterlaibung oder die Erkeruntersichten sind mit einem etwas glatteren Putz versehen, aber farblich in das Gesamtvolumen eingebunden. Zudem wurden die vertikalen Kanten an den Fensterlaibungen vom Gipser manuell abgeschliffen, sodass sich der Putz – anstatt harter Kanten – fugenlos um die Ecke legt.
Die in Naturstein (abgeflammter Granit aus der Region) eingekleideten Schilder und Laibungen der Loggien verstärken die materialsichtige Ausstrahlung des Hauses und nobilitieren jene Stellen, die von den Bewohner*innen aus nächster Nähe erfahren werden können. Im Erdgeschoss schützen weitere Granitsteinplatten den Putz vor den Wettereinflüssen auf der Gasse. Die Lochfenster sind mit flächigen Aluminiumklappläden in einem entsättigten rötlichen Farbton versehen, während die Fenster in einem dunkleren Tannengrün in Erscheinung treten.
Sgraffito-Technik mit Holzschablone
Ursprünglich sollten die Bockshörner einzeln von Hand aus dem noch feuchten Deckputz bis auf den Grundputz herausgekratzt werden. Diese Sgraffito-Technik erwies sich jedoch hinsichtlich des Zeit- und Kostenaufwands als zu intensiv. Sepp Hürlimann von Halter & Colledani entwickelte daraufhin eine wirtschaftliche Alternative: Anstatt die Bockshörner einzeln auszukratzen, wurden Holzschablonen auf den Grundputz geschraubt und nach Anbringung des Deckputzes wieder entfernt.
Auf die Dämmung wurde zunächst eine erste Putzschicht mit Netzeinbettung aufgebracht (System Aqua Royal von Sarna Granol). Nach der Trocknung folgte eine zweite Schicht, ebenfalls mit Armierungsgewebe (Keim Burrito Color). Nach der vollständigen Trocknung wurde die Fassade eingeschnürt und speziell gefertigte, 3 mm dicke Bockshorn-Schablonen aus MDF entlang der Schnürung im Abstand von 2,5 cm angeschraubt. Anschliessend wurden die Aussenwände mit einem schneeweissen Deckputz (Keim Burrito Meisterputz) überzogen. Nach der Trocknung des Deckputzes konnten die Schablonen vorsichtig abgelöst werden. Wo nötig, wurden die Muster von Hand mit einem kleinen Spachtel nachbearbeitet, Putzreste entfernt und allzu scharfe Kanten geglättet. Im letzten Schritt wurde ein Fixativ von Keim mit eigens vorgenommener Pigmentierung von Hand aufgebürstet, um den monolithischen Charakter des Putzes noch zu verstärken und der Fassade eine gewisse Patina zu verleihen.
Publikumsliebling
Das Haus Mona entfaltet vor allem in der Nähe seine Wirkung – wenn man es genau betrachtet, vor allem aber, wenn man es berührt. Das Projekt konnte so das Publikum der diesjährigen Swissbau von sich überzeugen und gewann am Schweizer Preis für Putz und Farbe 2026 den Publikumspreis.